Kategorie: Interview von Physikerinnen

Von der Brennstoffzellentechnik über internes Consulting zur Teilprojektleitung Software – Interview mit Agnes Baumgärtner

Ich freue mich sehr, heute schon das nächste Interview mit Agnes Baumgärtner veröffentlichen zu können. Agnes Baumgärtner arbeitet bei Siemens und ihr Karriereweg zeigt, wie viele Möglichkeiten in verschiedenen Industriebereichen einem nach dem Physikstudium offen stehen.

Falls Du also überlegst, wie es nach dem Studium weitergehen kann oder soll, bekommst Du hier ganz viel Inspiration und Tipps zum Berufseinstieg.

Vielen Dank an Agnes! Sie war die Erste, die sich bei mir als freiwillige Interviewpartnerin gemeldet hatte und sofort bereit war, meine Idee zu unterstützen, sowie direkt auch den Kontakt zu einer weiteren Interviewpartnerin hergestellt hat.

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„Ich würde jedem empfehlen, für neue Themen offen zu sein“ – Interview mit Annette Theißen

Ich freue mich sehr, heute das Interview mit Annette Theißen veröffentlichen zu können. Denn es zeigt,  inwieweit es möglich ist, zwischen verschiedenen Schwerpunkten zu wechseln. Annette Theißen ist Freiberuflerin und führt bei Unternehmen verschiedenster Branchen das ERP-System Microsoft Dynamics AX ein. 

Gerade diese Kombination finde ich sehr spannend und zeigt, welch vielfältige Möglichkeiten Dir nach dem Physikstudium offen stehen, falls Du daran überlegst Physik zu studieren oder Dich schon im Studium befindest und überlegst, wie es nach dem Studium weitergehen kann.

Vielen Dank an Frau Theißen, dass sie uns diesen Einblick ermöglicht und zeigt, wie ihr Karriereweg aussieht, sowie wertvolle Tipps dazu gibt!

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„Was mir immer weitergeholfen hat, ist die Lust auf etwas Neues.“ – Interview Dr. Silke Bargstädt-Franke

Ich freue mich das zweite Interview meiner Interview-Reihe mit Dr. Silke Bargstädt-Franke veröffentlichen zu können. Dr. Silke Bargstädt-Franke ist Vizepräsidentin bei Giesecke & Devrient und somit viel beschäftigt. Umso mehr freut es mich, dass sie sich die Zeit für das Interview genommen hat und uns Einblicke in ihr Berufsleben und ihre Karriere ermöglicht.

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„Man sollte in alles, was interessant ist, die Nase hineinstecken.“ – Interview mit Prof. Dr. Ille Gebeshuber

Mit dieser Reihe möchte ich zur Sichtbarkeit von Physikerinnen beitragen und so die Vielfalt von Lebens- und Karrierewegen aufzeigen. Damit kannst Du Dich inspirieren lassen und informieren, welche Möglichkeiten Dir mit einem Physikstudium offen stehen.

Dabei übersieht man oft – und mir ist das auch passiert – wie vielfältig die Möglichkeiten sind und unterschätzt vor allem, inwieweit es möglich ist, zwischen verschiedenen Schwerpunkten zu wechseln.

Ich freue mich, dass Prof. Dr. Ille Gebeshuber den Anfang macht und zeigt, wie Ihr wissenschaftlicher Karriereweg aussieht, sowie wertvolle Tipps dazu gibt!

Interview mit Prof. Dr. Ille Gebeshuber

Wo und mit welchem Schwerpunkt haben Sie Physik studiert? Und haben Sie währenddessen einen Auslandsaufenthalt oder ein Praktikum gemacht?

Ich habe Physik an der Technischen Universität Wien studiert. Bei uns hat es keine Schwerpunkte gegeben, sondern wir haben studiert, was uns interessiert hat. Wir hatten vor der Diplomarbeit drei sogenannte Projektarbeiten zu leisten. Und die waren unglaublich spannend.

Die erste Projektarbeit war zum Aussterben der Dinosaurier und da haben wir uns verschiedene Vulkangesteine angeschaut und zermahlen, um zu schauen, wieviel Indium darin ist. Das haben wir mit den Indiumablagerungen von Sedimentationsgesteinen im Meer verglichen. Das sind Steine, die haben eine dünne schwarze Schicht, die mit der Zeit, als die Dinosaurier ausgestorben sind, korreliert. Und wir hatten nachzuprüfen, ob das durch einen Meteoriteneinschlag oder durch einen Vulkanausbruch verursacht war. Das war für mich die erste, eindringliche Erfahrung mit wissenschaftlicher Arbeit und ich war völlig begeistert.

Für die zweite Projektarbeit habe ich die Thermolumineszenzdatierung gewählt. Das ist eine physikalische Methode zur Altersbestimmung, indem man das Licht von einmal gebrannten Keramiken ausliest, indem man sie zermahlt und aufheizt. So kann man eben alte Keramiken von Fälschungen unterscheiden. Wir haben ein altes Stück Ziegelstein bekommen und haben bestimmt, wie alt das ist. Wie haben es auf ungefähr von 500 Jahren n.Chr. geschätzt. Das war sehr faszinierend.

Und die dritte Projektarbeit habe ich schon im Bereich Biophysik geschrieben, also in dem Bereich, in dem ich dann auch meine Diplomarbeit und Dissertation gemacht habe: über das Ohr. Aber bei dieser Projektarbeit ging es nicht um das Innenohr wie in meiner Diplomarbeit und meiner Dissertation, sondern um die Geräusche, die aus dem Ohr rauskommen, die sogenannten otoakustischen Emissionen. Diese kann man messen, indem man eine Person in einen schalldichten Raum setzt und dann ein Mikrofon in den Gehörgang einführt und diesen verschließt. Da gibt es dann spontane Emissionen und das war ganz spannend und schön.

Die drei Projektarbeiten haben mir einen Einblick in das wissenschaftliche Arbeiten gegeben und ich habe schon ganz früh gewusst, dass ich an meine Diplomarbeit eine Dissertation anhängen möchte. Beide habe ich über das Innenohr geschrieben. Meine Diplomarbeit handelt von einem Modell über Transducerzellen, die das mechanische Signal in ein elektrisches umwandeln das dann ins Gehirn kommt und analysiert wird. Die Dissertation war über die menschliche Hörschwelle, also über die leisesten Geräusche, die gerade noch gehört werden können. Sie ist verschieden hoch in verschiedenen Frequenzbereichen. Da habe ich in einem groben Modell die menschliche, frequenzabhängige Hörschwellenkurve, auch mit Computersimulation unterstützt, nachgewiesen und gezeigt. Das war sehr spannend.

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Sie haben gesagt, dass Ihnen schon während der Diplomarbeit klar war, dass Sie promovieren möchten. War das für Sie schon länger klar und warum haben Sie sich für eine Promotion entschieden?

Für mich war eigentlich immer klar, dass ich das Doktorat mache, weil ich – sobald ich darauf gekommen bin, dass man wissenschaftlich arbeiten kann – auch wissenschaftlich arbeiten wollte. Also es stand für mich außer Frage, ob ich promovieren möchte oder nicht. Ich machte im Studium auch viel mehr als vorgeschrieben war. Deshalb auch die Dissertation.

Jetzt sind Sie Professorin. Wie sind Sie dahin gekommen?

Das war ein interessanter Weg: Ich habe nach meiner Promotion einen PostDoc an der Universität von Kalifornien gemacht und danach bin ich eigentlich schon an mein Heimatinstitut, das Institut für Angewandte Physik an der Technischen Universität Wien,  gekommen, erst als PostDoc, und dann mit einer halben Universitätsassistentenstelle. Die zweite Hälfte meiner Arbeitskraft habe ich dem österreichischen Kompetenzzentrum für Tribologie zur Verfügung gestellt. Tribologie ist die Lehre von Reibung, Schmierung, Verschleiß und Klebrigkeit. Das ist ein Forschungszentrum, das präkompetetive Forschung betreibt. Also es geht nicht darum, wirklich ein Produkt herzustellen, sondern an Prototypen zu zeigen, dass das System oder Modell funktioniert. Es ist also eine forschungsnahe Entwicklung und keine Produktentwicklung.

Ich war also halbe Universitätsassistentin und habe dann aber beschlossen „Ich möchte mich auch noch habilitieren“. Deshalb habe ich dann meine gesamte Arbeitskraft für die Habilitation zur Verfügung gestellt, war aber weiterhin noch am Kompetenzzentrum für Tribologie als Senior Scientist aktiv.

Ich habe mich dann 2008 in Experimentalphysik habilitiert. Zwei Wochen später habe ich dann schon meine Professur in Malaysia angetreten. Während meiner Zeit in Malaysia war ich noch Strategieboard-Mitglied am Kompetenzzentrum für Tribologie, also immer verknüpft mit dieser Industrieforschung. Nach 7 Jahren bin ich dieses Jahr wieder zurück nach Österreich gekommen und mache an meinem Heimatinstitut weiter mit meinen Forschungen.

Was war das spannendste Projekt in der Tribologie bisher?

Ich war Leiterin der strategischen Forschung von 2003-2006 und was mich da unheimlich fasziniert hat, oder was ich auch generell so spannend an der Tribologie finde, ist, dass es eine Systemwissenschaft ist. In der Tribologie reicht es nicht, dass man sich nur den Schmierstoff anschaut. Sondern man muss sich das Schmieröl in Interaktion mit den Zahnrädern, dem Motor und den jeweiligen Oberflächen anschauen, oder den Reifen in Interaktion mit der Straße, dem Regen, dem Eis und dem Schnee.

Ich habe damals die Kieselalgen-Nanotribologie ins Leben gerufen. Nanotribologie ist sehr spannend. Sie untersucht die Tribologie auf kleinster Skala: kleine Maschinen mit Nanometer-dünne Schichten oder molekulare Schichten, deren funktionale Einheiten nur ein paar Nanometer groß sind oder die nur ein paar Nanoliter von einem Schmierstoff brauchen.

Da gibt es natürlich sehr großen Nachholbedarf, weil wir zwar derzeit so kleine Maschinen herstellen können, aber sie nicht lange funktionieren. Sie kennen wahrscheinlich die Bilder von Mikrometer großen Zahnrädern oder das Bild von der Ameise, die ein Zahnrad in ihren Greifern hält. Es sind alles wunderschöne Dinge, aber sie funktionieren leider nur ein paar Mal und bleiben dann stecken. Denn man versteht die Reibung und die Schmierung, und besonders die Adhäsion, auf dieser kleinen Größe noch nicht sehr gut.

Kieselalgen sind Mikrometer große Einzeller, die häufig harte Teile relativ zueinander bewegen und das ist ja die Definition von Tribologie. Also manche Kieselalgen verbinden sich auf sehr unterschiedliche Weise und diese Verbindungen sind sehr fest. Kieselalgen bauen sich ein Exoskelett aus Siliziumdioxid.  Es gibt Verzahnungen im Glas, deren einzelne Zähne teilweise nur ein paar hundert Nanometer groß sind. Deshalb haben die Kieselalgen ihre tribologischen Eigenschaften im Laufe der Evolution optimiert. Also sie haben zum Beispiel ganz dünne Schichten mit perfekt geformten Oberflächen. Und das kann man natürlich sehr schön direkt von der Biologie und der Chemie in die Nanotechnologie übertragen. Das hat große Freude gemacht, weil es drei meiner großen Lieben verbindet: Die Kieselalgen, die Tribologie und die Oberflächenanalytik im ganz, ganz Kleinen.

Was waren Ihre bisher faszinierendsten Projekte als Professorin?

Ich möchte drei Projekte herausgreifen.

„Wo die Maschinen wachsen: Wie Lösungen aus dem Dschungel unser Leben verändern werden“

Ich habe gerade ein Buch geschrieben, das am 8. Oktober erschienen ist. Das ist über meine 7 Jahre in Malaysia und heißt „Wo die Maschinen wachsen: Wie Lösungen aus dem Dschungel unser Leben verändern werden“. In diesem Buch und durch meine bisherige Forschung mit Dissertantinnen/Dissertanten, Diplomandinnen/Diplomanden, Praktikantinnen/Praktikanten und Freundinnen und Freunden von der ganzen Welt  versuchen wir eine neue Art der Technologie ins Leben zu rufen. Diese Technologie soll nicht nur für den Menschen und die Biosphäre neutral sein, also nicht negativ, sondern neutral, und im besten Fall vorteilhaft sein. Zum Beispiel: Je mehr Autos gefahren werden, desto besser ist es für die Ameisen und die Eisbären. Das ist im Moment noch nicht gegeben. Im Moment ist es so, dass, je mehr Autos gefahren werden, desto schlimmer ist es für die Tiere und Pflanzen, den Menschen usw.

Dass die Technologie vorteilhaft wird, erreicht man durch die Verwendung von natürlichen Substanzen, die am Ende des Lebenswegs gegessen oder als Dünger verwendet werden können. Da möchte ich 3 Beispiele für geben: Wir arbeiten im Bereich Metalle, Materialien und Strukturen.

Im Bereich der Materialien beschäftigen wir uns mit dem Bergbau und dort vorkommenden Pflanzen zur Metallgewinnung, die eben dann nicht über den konventionellen Bergbau funktioniert. Da können wir nur Pflanzen verwenden, die Metalle mögen, d.h., dass die Metalle diesen Pflanzen nicht schaden – normalerweise sind Schwermetalle giftig für Pflanzen. Aber es gibt einige, gar nicht so wenige Pflanzen für die die Schwermetalle nicht giftig sind. Diese Pflanzen akkumulieren Schwermetalle, in manchen Fällen überakkumulieren sie sogar. Also diese Pflanzen können bis zu 5 Prozent ihrer Trockenmasse an Metall in ihren Stängeln, Blüten, Blütenblättern und Blättern einlagern. Man weiß noch nicht, warum das viele Pflanzen machen. Bei den Sonnenblumen schmecken die Blütenblätter aufgrund von Kupfer metallisch und dann wollen viele Tiere die Sonnenblumenblüten nicht aufessen.

Wozu man das jetzt verwenden kann, ist, dass man mit solchen Pflanzen mit Schwermetall belastete Böden oder – wenn es Wasserpflanzen sind – Gewässer reinigen kann. Man kann die Pflanzen nicht nur zum Reinigen verwenden, sondern auch um diese Metalle zu gewinnen, da manche dieser Pflanzen einen relativ hohen Prozentsatz ihrer Trockenmasse an Metallen einlagern. Wenn man dann die Pflanzen verbrennt, kann man nicht nur die thermische Energie, sondern auch das sogenannte Bioerz gewinnen. Es gibt noch eine zweite Möglichkeit zur Gewinnung: Das wäre, dass man, ohne die Pflanze zu verbrennen, die Metalle aus der Pflanze herausholt. Das sind dann nämlich in speziellen Fällen höchst interessant geformte Nanopartikel, die alle eine gewisse Größe und eine gewisse Form haben. Metallische Nanopartikel braucht man im Moment im Bereich der Forschung recht oft.

Generell möchte ich anmerken, dass ich daran glaube, dass eine metalllose Gesellschaft möglich ist. Also eine Gesellschaft, in der Metalle nur verwendet werden, wenn es chemisch nötig ist.

Farbentstehung durch Nanostrukturen

Das waren jetzt die Metalle und nun zu den Materialien. Da beschäftigen wir uns mit Strukturen und in diesem Fall möchte ich Ihnen ein Beispiel zeigen: den Schmetterlingsflügel. Also manche Schmetterlinge bekommen ihre Farben durch Nanostrukturen, die ganz klein sind und durchsichtig, und die manchmal wie Christbäume aussehen. Durch die Reflexion von Licht an diesen dünnen Schichten entsteht die Farbe, wie beim Regenbogen oder einem dünnen Ölfilm auf Wasser. Abhängig von der Schichtdicke ist der Flügel rot oder grün oder blau.

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Ich habe eine Dissertantin von der Universität für bildende Kunst. Sie hat es geschafft, vom Schmetterlingsflügel  einen Negativabdruck von dieser Struktur herzustellen und diesen Negativabdruck aushärten zu lassen. Sie kann jetzt Oberflächen damit wiederholt bestempeln. Sie verändert damit nicht nur die Farbeigenschaften, sondern auch die Funktionalität wie zum Beispiel das Selbstreinigungsverhalten.

Das tolle ist, dass man beinahe  jedes beliebige Material mit den gewünschten Funktionen versehen kann und damit kann man auch nachhaltige gute, verdaubare, verrottbare, ver-x-bare (das x steht für was immer man haben möchte) Materialien als Basis nehmen – ein möglicher Weg zu sicherer Nanotechnologie.

Die Möglichkeiten der Biomineralisation

Das dritte Forschungsgebiet, mit dem wir uns auseinandersetzen, nennt sich Biomineralisation. Das ist die Herstellung von metallischen Verbindungen, Legierungen, Mineralien, Verbundwerkstoffen usw. in Organismen unter Umgebungsbedingungen. Da gibt es so spannende Sachen wie Glas, das von Bakterien hergestellt wird. Es gibt zum Beispiel einen Glasschwamm im Baikalsee, der einen 3 Meter langen Glasstab biomineralisiert. Der Schwamm ist dann im Boden verankert, damit er nicht wegrollt.

Was mir so gut an der Bionanomineralisation gefällt, ist, dass mehr als 70 verschiedene Materialien hergestellt werden. All diese Materialien sind nicht nur vom Materialstandpunkt aus sehr interessant, sondern auch in Bezug auf ihre Funktionalität. Diese inhärente Kombination von Schönheit und hoher Funktionalität finde ich sehr faszinierend.

Gibt es bei diesen Projekten auch Kooperationen mit der Industrie?

Ja, ich habe immer Kooperationen mit der Industrie. Wir haben mehrere Innovationsprojekte laufen und mehrere Zusammenarbeiten mit kleinen Firmen. Auch sind wir in der Diskussion mit einigen größeren Firmen. Über das Kompetenzzentrum für Tribologie haben wir auch immer wieder gemeinsame Projekte.

Am Ende von Ihrem TEDx-Talk, laden Sie Wissenschaftler ein, mit Ihnen in Malaysia zu forschen. Sind viele Forscher zu Ihnen gekommen?

Wir hatten in Malaysia ein Haus mit 400 m² Wohnfläche. Mein Mann und ich und unsere zwei Graupapageien und die Katzen hatten viele Gästezimmer und dann auch immer viele Gäste aus Europa und aus Asien. Das waren wissenschaftliche Freunde, neue Freunde, die sich gemeldet haben, Studenten usw. Das waren Leute aus der Kunst, Veterinärmedizin, den Ingenieurswissenschaften, der Biologie, Physik, Architektur und Mathematik. Also waren sehr vielfältige Interessen vertreten. Das ist so schön, wenn man gemeinsam in den Wald geht. Dann lernt man die Blickwinkel der anderen zu schätzen und zu sehen, was die aus dem Regenwald herausholen.

Falls jemand interessiert ist: die nächste Expedition ist am 10. und 11. Juni 2017. Da schauen wir uns den Bako-Nationalpark auf Borneo an.

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Vermissen Sie Malaysia und den Regenwald?

Ja, schon, aber ich muss sowieso mindestens ein Mal pro Jahr hin fahren und schauen, wie es unseren beiden Graupapageien geht.  Die haben wir – anders als die Katzen, die jetzt ihren ersten Winter erleben –  jetzt nicht wieder mit nach Wien mitgenommen – sie lieben die Tropen so sehr. Sie sind noch recht jung – 28 und 50 Jahre – und werden ungefähr 80 Jahre alt.

Was ich vermisse, ist die Freiheit: Ein volles Professorengehalt mit 2 Stunden Lehrverpflichtung pro Jahr! Deshalb konnte ich viel  von zuhause aus arbeiten, mit Blick auf den Regenwald und die StudentInnen waren bei mir. Oder ich war gleich im Wald. Ich war nur an der Uni, wenn Konferenzen oder Besprechungen oder Feste stattfanden.

Haben Sie Tipps für das Studium, Netzwerken bzw. was hat Ihnen besonders weitergeholfen?

Tipps für das Studium:

Man sollte alles machen, was einen interessiert. Fachlich natürlich, aber auch privat. Man sollte das Studentenleben 100prozentig ausnutzen, weil man nie wieder so lange Zeit am Stück frei ist und die Möglichkeit hat, irgendwo hinzugehen. Man sollte in alles, was interessant ist, die Nase hineinstecken.

Tipps für das Netzwerken:

Netzwerken und die persönlichen Kontakte sind überhaupt das wichtigste. Nicht nur in der Wissenschaft, sondern generell. Ich habe auch über lange Jahre Vorlesungen bzw. Intensivkurse zu „Networking for Women in Engineering“ gehalten.

Wenn man zum Beispiel auf eine Konferenz fährt, dann sollte man immer im Konferenzhotel wohnen, wo die Hauptsprecher wohnen. Man sollte einen Tag früher anreisen und einen Tag später abreisen, damit man eben die Möglichkeit dieser zufälligen Kontakte, im Aufzug, beim Frühstücksbuffet usw. hat. Dann kann man mit den Leuten reden und sie lernen einen kennen.

Denn es geht nur darum: Wer weiß, dass es mich gibt oder wer kann jemand anderem sagen, dass es mich gibt.

Vielen Dank für das Interview, Ihre Zeit und die spannenden Einblicke in Ihr Leben und Ihre Forschung!

 

Weitere Informationen:

Lebenslauf, sowie ein weiteres Interview.