High-Power-Posen oder Fake it ’til you make it

Oder auch: Wie verbringt man am besten die letzten Minuten vor einer Prüfung, einem Vorstellungsgespräch oder einem Vortrag?

 

An diesem Beitrag habe ich EWIG gesessen. Erst sollte er kurz und knackig mit einer tollen Take-Home-Message sein. Dann habe ich angefangen zu googeln und in Veröffentlichungen zu lesen, denn ich wollte nicht, dass ich hier totalen wissenschaftlichen Bullshit schreibe. So führte eins zum anderen und jetzt ist der Text nicht mehr kurz und knackig und hat ganz andere Take-Home-Messages bekommen als geplant. Lass Dich überraschen…

Nach meiner Promotion habe ich ein Karriere-Coaching gemacht, um ein Ziel für mich zu entwickeln und eine Vorstellung zu bekommen, was und wie ich gerne weiter arbeiten möchte.
Während dieses Coachings hatte ich ein Telefoninterview mit einer Firma, bei der ich gerne gearbeitet hätte. Auf das  Gespräch habe ich mich -zum Teil mit meiner Coach- vorbereitet. Dafür hat mir meine Coach auch einen Link zu einem TED-Talk geschickt, der über das Thema „Power-Posen“ geht. Davon hatte ich bis dahin noch nie etwas gehört. Und diesen TED-Talk fand ich total cool (hier kannst Du ihn anschauen: Klick!).

Was sind High-Power-Posen?

High Power-Posen sind Körperhaltungen, die Macht und ein hohes Selbstbewusstsein ausstrahlen.

PowerPoseI

Was bewirken High-Power-Posen?

Forschungsergebnisse zeigen, dass leistungsfähige und effektive Führungskräfte ähnliche Hormonspiegel haben: In der Regel haben sie einen höheren Testosteronspiegel und einen niedrigeren Kortisolspiegel. Während Kortisol als Stresshormon bekannt ist und ein niedriger Wert zu verringerter Angst führt, hat ein höheres Niveau des Testosterons ein höheres Selbstvertrauen zur Folge. Außerdem drücken Menschen mit Macht diese oft durch das Einnehmen von High-Power-Posen aus.

Die Frage ist jetzt, ob das Einnehmen von High-Power-Posen auch zu mehr Macht führt? *

Nach einer Studie von Sozialpsychologin Amy J.C. Cuddy1 von der Harvard Business School führt das zweiminütige Einnehmen einer High-Power-Pose zu einer Erhöhung des Testosteronwerts, der Verringerung des Kortisolwerts und einem gesteigerten Gefühl von Macht.

Wie können Dir High-Power-Posen helfen?

Wenn Du vor einer Prüfung, einem Bewerbungsinterview oder einem wichtigen Meeting vorher für ein paar Minuten eine High-Power-Pose einnimmst, gehst Du selbstbewusster in das Gespräch.

Vor mündlichen Prüfungen und Vorträgen im Studium war ich immer total aufgeregt, obwohl ich mich immer intensiv und lange darauf vorbereitet habe. High-Power-Posen hätte ich gerne schon früher ausprobiert.

Jetzt teste ich High-Power-Posen vor wichtigen Telefonterminen aus. Zuhause sieht mich sowieso keiner. Zusätzlich ziehe ich auch vor einem Telefoninterview immer einen Hosenanzug, Bluse und Pumps an. Dann fühle ich mich gleich besser und hoffe, dass das auch bei meinem Gegenüber ankommt.

Reproduzierbarkeit der Studie?

Ich habe nun während meiner Recherche und dem Schreiben dieses Artikels in der Huffpost Science einen Artikel entdeckt, wo eine Veröffentlichung von Ranehill et al.4 vorgestellt wird, die diese Studie mit mehr Teilnehmern wiederholt haben. Sie konnten keinen Effekt auf das Hormon-Level und das Risikoverhalten nachweisen.

Merke I: Probier‘ einfach aus, ob Dir Power-Posen weiterhelfen und Du mit einem besseren Gefühl in ein Gespräch startest. Und wenn Du Dir albern vorkommst und über Dich selbst lachst, dann startest Du wenigstens etwas entspannter in das Gespräch.

Was sind Deine Tricks kurz vor einem wichtigen Termin und hast Du schon mal Power-Posen ausprobiert?

PS: Der Meister der High-Power-Posen ist wahrscheinlich Freddie Mercury. Hier kannst Du Dich davon überzeugen: Klick!

 

* Hier wollte ich eigentlich zunächst auf eine Analogie eingehen: Wenn man glücklich ist, lächelt man. Dir ist wahrscheinlich bekannt, dass gesagt wird, dass auch die Umkehrung gilt: Ein erzwungenes Lächeln führt zu einem höheren Wohlbefinden (also eine positive Körperhaltung kann den Hormonhaushalt positiv beeinflussen). Dies stammt aus einer Studie von Paul Ekman und Richard J. Davidson2 aus dem Jahr 1993 (ich hoffe, dass ich die richtige gefunden habe).

Beim googeln bin ich aber auf die Studie von Labroo et al.3 von 2014 gestoßen, die zeigt, dass ein erzwungenes Lächeln zu einer Verschlechterung des Gemütszustandes führen kann (also eine eigentlich positive Körperhaltung den Hormonhaushalt negativ beeinflussen kann).

Was lernen wir also noch daraus?

Merke II: Bei Experimenten ist auf eine ausreichende Statistik und Reproduzierbarkeit zu achten.
Wenn es regnet wird die Straße nass. Wenn die Straße nass ist, muss es nicht unbedingt vorher geregnet haben. Kann es aber. Das heißt für Dich: Probier aus, was Dir hilft.

Und folgendes Zitat ist mir beim Schreiben dieses Artikels wieder eingefallen, welches hervorragend hierher passt:

Merke III: Wissenschaftlicher Erkenntnisstand und gesellschaftliches, öffentliches Wissen befinden sich nur selten in Übereinstimmung.

(aus „Unser Buch hat einen Nerv getroffen“, Süddeutsche Zeitung Nr. 286, 10.12.2010)

 

Literatur:

1 Carney, D. R., Cuddy, A. J. C., & Yap, A. J. (2010). Power posing: Brief nonverbal displays affect neuroendocrine levels and risk tolerance. Psychological Science, 21, 1363–1368. doi:10.1177/0956797610383437

2 Ekman, P. & Davidson, R. J. (1993). Voluntary Smiling Changes Regional Brain Activity. Psychological Science,  4, 342-345. doi: 10.1111/j.1467-9280.1993.tb00576.x

3 Labroo, A. A., Mukhopadhyay, A., Dong, P. (2014). Not always the best medicine: Why frequent smiling can reduce wellbeing. Journal of Experimental Social Psychology, 53, 156–162.        doi:10.1016/j.jesp.2014.03.001

4 Ranehill, E., Dreber, A., Johannesson, M., Leiberg, S., Sul, S., & Weber, R. A. (2015). Assessing the Robustness of Power Posing: No Effect on Hormones and  Risk Tolerance in a Large Sample of  Men and Women. Psychological Science, 26, 653-656. doi: 10.1177/0956797614553946

 

Bilder:

Beitragsbild: unsplash.com/Julia Caesar
Bild 2: unsplash.com/Yanko Peyankov

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